Wenn es funkt …

… spielen Grenzen keine Rolle

Eine Reportage von Jennifer Endro und Siri Gögelmann

Von Dänemark bis Malawi

Der Amateurfunk ist Familie Bergmanns große Leidenschaft. Wenn sie in den Urlaub fahren, sind das Morsegerät und eine Antenne immer dabei. Was für die meisten Menschen eine unverständliche Aneinanderreihung kurzer und langer Töne ist, ist für Vater Emil aus Dreieich bei Frankfurt eine Sprache, über die er mit der ganzen Welt kommunizieren kann.


„DL8JJ“, so nannte Laura ihren Vater, als sie mit zwei Jahren nach seinem Namen gefragt wurde. Heute ist 11-Jährige Deutschlands jüngste Funkamateurin. Im Herbst 2017 erhielt sie ihre Funklizenz. Mutter Verjy, selbst begeisterte Hobbyfunkerin, unterstützte sie bei der Prüfungsvorbereitung.


Einmal mit allen Ländern auf der Welt funken – das ist der große Traum von vielen Funkamateuren. Doch nicht in jedem Land gibt es eine aktive Amateurfunkgemeinschaft. Deswegen organisiert Emil mit anderen Hobbyfunkern Expeditionen in solche Länder. Zuhausegebliebene können die Abenteurer dann dort anfunken. Das Morsen führte Emil nach Malawi, auf die Salomonen im Südpazifik und in schwindelerregende Höhe auf den „El Capitan“ in den USA. 2014 wurde die Morsetelegrafie von der Unesco in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Frauenfreundschaften weltweit

Frequenz, Shack, Relais und Q-Gruppen: Für Rosel Zenker gehören diese Wörter zur Alltagssprache. Seit 42 Jahren ist die Rentnerin aus Greifswald Funkamateurin. In ihrem Funktagebuch sind mehr als 180.000 Funkkontakte gelistet. Mit 36 Jahren brachte ihr Mann Hardy sie auf die Morsetelegrafie. Immer nur zuschauen, wenn er vom Schreibtisch aus in die Welt morste, das war nichts für Rosel. Sie wollte die Leidenschaft ihres Mannes teilen und zur Amateurfunk-Community dazugehören.



Für die meisten Funkverbindung, auch QSO genannt, erhält Rosel per Post eine QSL-Karte. Die Karten dienen als Bestätigung dafür, dass der Funkkontakt tatsächlich stattgefunden hat. Als international vernetzte „Young Lady“ – so nennen sich die Frauen im Amateurfunk – ist Rosel in mehreren Verbänden von Funkamateurinnen engagiert, darunter in Skandinavien, Neuseeland und in den USA. Einer der größten und ältesten Frauenverbände ist der 1939 gegründete „Young Ladies‘ Radio League“ mit Mitgliedern aus der ganzen Welt.



Die Funkkontakte zu anderen Menschen halten Rosel jung. Für ihre Leidenschaft reiste sie nach Japan, Südkorea und Indien. Von dort morste sie in andere Länder – nur ins All hat die ehemalige Konstruktionsingenieurin noch nie gefunkt.

Ablenkung im All

Seit 30 Jahren ist Reinhold Ewald Astronaut. 1997 nahm er an der zweiten deutsch-russischen Mission MIR’97 teil. 18 Tage verbrachte er an Bord der Raumstation. Heute lebt der promovierte Physiker in Köln und arbeitet im Europäischen Astronautenzentrum. Mit dem Aufenthalt im All erfüllt sich Reinhold einen Kindheitstraum.


Der Kontakt in den Weltraum ist bei Hobbyfunkern besonders beliebt. Um eine Funkverbindung mit einer Raumstation aufzubauen, ist Sichtkontakt nötig. Verschwindet sie hinter dem Horizont, bricht die Verbindung ab. Insgesamt gibt es mehr als drei Millionen Funkamateure weltweit. Fast ein Drittel von ihnen funkt aus den USA.

Eine Reportage von Jennifer Endro und Siri Gögelmann

Die Reportage wurde für das Online-Magazin „Kulturen des Wir“ realisiert.

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Impressum

Institut für Auslandsbeziehungen (ifa)
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70173 Stuttgart
www.ifa.de

Vertreter: Ronald Grätz, Generalsekretär
Umsatzsteueridentifikationsnummer: DE 147794073
Redaktionsverantwortung: Renate Aruna, Leiterin Online-Redaktion

Konzeption: Jennifer Endro und Siri Gögelmann

Interviews und Texte: Jennifer Endro und Siri Gögelmann
Fotografien: Constant Formé-Becherat und Holger Martens
Audios: Siri Gögelmann
Kamera: Constant Formé-Becherat und Siri Gögelmann
Schnitt: Constant Formé-Becherat

© 2017, Institut für Auslandsbeziehungen e. V. (ifa)
© für die Texte, Audios und Videos bei Institut für Auslandsbeziehungen e. V. (ifa)
© für die Bilder bei Constant Formé-Becherat (Familie Bergmann und Reinhold Ewald), Holger Martens (Rosel Zenker), picture alliance / dpa (Foto Raumstation MIR), Emil Bergmann (Foto Expedition in den Bergen), Rosel Zenker (Historisches Bild)
© für die Datenvisualisierungen bei Jens Amende

Daten zur Grafik „So alt sind Funkamateure“: „Altersstruktur bei den Inhabern einer Zulassung zur Teilnahme am Amateurfunkdienst“, Bundesnetzagentur, Referat 225, Stand 31.12.2016

Gestaltung und technische Umsetzung:
büro uebele visuelle kommunikation
Jonas Pelzer